Sie sind hier: Startseite

„Der Blick des Forschers fand nicht selten mehr, als er zu finden wünschte.“
Gotthold Ephraim Lessing (Nathan der Weise, II. Aufzug, 7. Auftritt)

Kamenz wurde im Laufe seiner annähernd 800jährigen Geschichte nicht nur von Krieg und Seuche heimgesucht. Zugleich beeinflussten Brände, von denen diejenigen der Jahre 1572, 1707 und 1842 ein verheerendes Ausmaß annahmen, wesentlich die Entwicklung der Stadt.
Dennoch gelang es, das Ratsarchiv weitestgehend über die Jahrhunderte hinweg zu bewahren, so dass heutige Forschungen auf einer breiten Quellenbasis beruhen können. Hierbei kommt allerdings – wie eingangs zitiert – nicht immer nur das zum Vorschein, was vornherein behauptet, vermutet oder gar erhofft wurde.

Tag der Archive

Der TAG DER ARCHIVE – speziell mit seinem diesjährigen Thema „Demokratie und Bürgerrechte“ – eignet sich in besonderer Weise dafür, um zu veranschaulichen, was Archive vor allem für jeden einzelnen Bürger und jede einzelne Bürgerin leisten. Schließlich stellt sich so mancher, was Archivarinnen und Archivare nur allzu oft gerade im Familien- und Bekanntenkreis erfahren müssen, die Frage: „Wozu sind Archive überhaupt da? Nur um altes Papier von A nach B umzustapeln? Oder alten Männern mit skurrilen Forschungsthemen noch ältere Schriften vorzulegen, die sowieso keiner mehr lesen kann?“
Aber das ist eindeutig zu kurz gefasst. Archive sichern Rechte von Bürgern. Jeder der durch Umzüge oder unglückliche Umstände seine privaten Unterlagen verloren hat, beginnt auf einmal Archive zu schätzen: Der neue Arbeitgeber verlangt nach Zeugnissen oder Abschlüssen, um jemanden einzustellen. Das Amtsgericht bittet um Beibringung von Urkunden, die beweisen, dass ein Erbe, ein Grundstück oder ein Haus um einen anderen zusprechen zu können. Die Rentenkasse fordert Beweise für Beschäftigungszeiten, um Rentenansprüche geltend zu machen. In all diesen Fällen sind dann meist nur noch Archive die letzte Möglichkeit, um den Wahrheitsgehalt der Aussagen des Antragstellers zu belegen. Und auch im Stadtarchiv Kamenz haben bereits eine Vielzahl von Menschen genau in solchen Situationen um Hilfe ersucht und waren dankbar, wenn die betreffenden Schriftstücke gefunden oder doch zumindest weiterführende Hinweise, in welchen Archiven diese zu finden sind, gegeben werden konnten.
Zwar nimmt das Stadtarchiv Kamenz dieses Jahr nicht am Tag der Archive teil, doch andere Archive – auch in der Oberlausitz – öffnen an diesem Tag ihre Türen (und Magazine). So unter anderem auch das Stadtarchiv in Löbau – am 3. März zwischen 10:00 Uhr und 17:00 Uhr. Gerade als Konventstadt des Oberlausitzer Sechsstädtebundes bewahrt es die Protokolle eben dieser Zusammenkünfte bis heute und gibt somit Auskunft, wie eine Versammlung von freien Städten für sich und ihre Bürger ihre Interessen gegen den Landadel der Oberlausitz und den Landesherrn (König von Böhmen, Kurfürst von Sachsen, König von Polen [bzw. Sachsen]) durchzusetzen versuchten. Wer also einen Ausflug für diesen Tag plant, der könnte den Besuch von Löbau mit der Besichtigung des dortigen Stadtarchivs (Technisches Rathaus, Johannisstraße 1a) verbinden.

Tag der Archive 2

Stadtarchive wie auch dasjenige in Kamenz haben vornehmlich die Aufgabe, das bei der Stadtverwaltung und deren nachgeordneten Einrichtungen oder auch eingemeindeten Ortschaften erwachsene Schriftgut nach archivfachlichen Gesichtspunkten zu bewerten, denn nicht alles kann aufgehoben werden. Was dann übrig bleibt und im Idealfall für die Ewigkeit erhalten bleibt. Wird als Archivgut bezeichnet. Bis vor zwei Jahrhunderten war es üblich, dass nur die Stadtverwaltung selbst – der Rat – auf sein im Archiv verwahrten Akten und Urkunden Einblick nehmen durfte, um ihre Rechte und Privilegien zu sichern. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts allerdings haben auch die Bürger das Recht auf Einsichtnahme – wie bei allen anderen öffentlich-rechtlichen Archiven (Bundesarchiv, Staatsarchiv oder Kreisarchiv). Es stellt ein wesentliches Grundrecht der Bürger dar und führt wiederum zum diesjährigen Thema des TAGES DER ARCHIVE: „Demokratie und Bürgerrechte“. Durch die Öffnung der Archive soll nämlich Transparenz geschaffen werden. Nach einer allgemeinen Schutzfrist von 30 Jahren hat jedermann das Recht auf Einsichtnahme in das im Archiv überlieferte Schriftgut, um sich darüber zu informieren, wie die öffentlichen Verwaltungen arbeiten. Nicht selten wurde versucht, dies zu verhindern. Immer wieder werden absichtlich Akten vernichtet, um Entscheidungsprozesse zu verschleiern. So geschehen auch in Kamenz um 1945: Weder die Protokolle der Stadtverordneten noch des Stadtrates haben sich nach 1933 bis Kriegsende erhalten, so dass es sich im Nachhinein als schwierig darstellt, welche Beschlüsse in dieser Zeitspanne gefasst wurden.
Im Übrigen sind auch bis in unsere Gegenwart immer wieder Fälle aufgetreten, in denen versucht wurde, Aktenmaterial zu vernichten, um die Arbeit von Staatsorganen zu verschleiern. So geschehen im Januar 1990, als das sich auflösende Ministerium von Staatssicherheit an der Vernichtung seiner Unterlagen durch Stürmung des Gebäudekomplexes in der Berliner Normannenstraße gehindert wurde. Wer sich darüber informieren will, welche Arbeit daraus bis heute für den Bundesbeauftragten für die Staatssicherheitsunterlagen erwächst, sollte am 3. März zwischen 10:00 und 16:00 Uhr die Außenstelle Dresden, Riesaer Straße 7, besuchen. Dort werden Archivführungen, Vorträge aber auch Bürgerberatungen angeboten.

NEUIGKEITEN

Nach bedeutendem Fund im Stadtarchiv Kamenz Älteste überlieferte Innungsartikel restauriert

SERVICE

Forschungszimmer
Forschungszimmer ... hier könnten auch Sie arbeiten

Recherche in den Datenbanken des Stadtarchivs